Die Not-ToDo-Liste – warum weniger manchmal mehr ist

Veröffentlicht am 8. Oktober 2025 um 21:06

Kennst du das Gefühl, wenn du deine ToDo-Liste aktualisierst – und sie danach länger ist als zuvor?
Gestern ging es mir genau so: Für jeden erledigten Punkt kamen mindestens zwei neue dazu. Statt Zufriedenheit blieb Frust zurück. Vermutlich kennst du dieses Auf und Ab auch: kurz das gute Gefühl, etwas geschafft zu haben – und dann sofort der Dämpfer, weil schon wieder neue Aufgaben warten.

Da habe ich mich gefragt, ob das wirklich der Sinn und Zweck von ToDo-Listen sein kann.
Sind sie wirklich dafür da, uns dauerhaft zu motivieren? Oder erzeugen sie nicht oft genau das Gegenteil: inneren Druck, das Gefühl von „ich komme nie hinterher“ und ein permanentes emotionales Hoch und Runter?

In letzter Zeit setzt mich genau das immer häufiger unter Druck. Und so kam mir heute eine neue Idee – eher aus einem inneren Bedürfnis nach Entlastung heraus als aus einem Produktivitätsgedanken:

Information

Die Idee der Not-ToDo-Liste

Ich nenne sie bewusst Not-ToDo-Liste.

Die Idee dahinter ist simpel, aber für mich überraschend wirkungsvoll:
Ich nehme offene Punkte aus meiner ToDo-Liste und entscheide mich ganz bewusst dafür, diese nicht zu erledigen. Diese Punkte wandern nicht in eine „Irgendwann“-Spalte, sondern auf meine Not-ToDo-Liste.

Das Entscheidende dabei:
Ich werde diese Punkte auch nicht delegieren. Ich gebe sie nicht weiter und versuche nicht, sie doch noch irgendwie unterzubringen. Stattdessen treffe ich eine klare innere Entscheidung: Das mache ich nicht. Punkt.

Und dann beginnt der eigentlich spannende Teil – nämlich damit zu leben, dass ich …

  • nicht perfekt ausgestattet bin für das, was gerade ansteht

  • unvorbereitet in einen Termin gehe

  • meine Wohnung nicht so picobello aufgeräumt und geputzt ist wie bisher

  • manche Kontakte weniger pflege oder vielleicht sogar ganz gehen lasse

  • einige Themen nicht weiterverfolge und darauf vertraue, dass sich manches auch ohne mein Zutun regelt

Weniger Kontrolle, weniger Perfektionismus, mehr Vertrauen

Diese Not-ToDo-Liste fühlt sich für mich nicht nach Aufgeben an.
Im Gegenteil: Sie fühlt sich nach einer bewussten Entscheidung an. Einer Entscheidung gegen ständigen inneren Druck und für mehr Gelassenheit.

Kurzum bedeutet sie für mich:

  • weniger Kontrolle

  • weniger Perfektionismus

  • mehr Vertrauen

Vertrauen darauf, dass nicht alles in meiner Hand liegen muss.
Vertrauen darauf, dass Dinge auch dann gut laufen können, wenn ich sie nicht bis ins Detail plane.
Und Vertrauen darauf, dass mein Wert nicht davon abhängt, wie viele Punkte ich am Ende des Tages abhaken kann.

Denn vielleicht ist „gut“ wirklich gut genug.
Und vielleicht – wenn ich ehrlich bin – ist manchmal sogar „okay“ vollkommen ausreichend.

Ein leiser Perspektivwechsel

Diese Not-ToDo-Liste verändert gerade meinen Blick auf meinen Alltag.
Sie lädt mich ein, milder mit mir selbst zu sein. Nicht alles kontrollieren zu wollen. Nicht überall perfekt sein zu müssen. Und anzuerkennen, dass meine Energie begrenzt ist – und das auch völlig in Ordnung ist.

Vielleicht geht es gar nicht darum, immer effizienter, strukturierter oder disziplinierter zu werden.
Vielleicht geht es manchmal vielmehr darum, bewusst etwas sein zu lassen.

Und jetzt du

Was meinst du zur Idee einer Not-ToDo-Liste?
Welches Thema würdest du als allererstes darauf setzen?

Ich freue mich sehr über deine Gedanken und Rückmeldungen.

Herzliche Grüße
Franziska